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Wenn die Liebe schwindet

Möglichkeiten und Grenzen der Paartherapie

Erschienen am 30.09.2005, 2. Auflage 2007
30,00 €
(inkl. MwSt.)

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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783608944099
Sprache: Deutsch
Umfang: 244 S.
Format (T/L/B): 2.6 x 23.5 x 16 cm
Einband: gebundenes Buch

Beschreibung

Neuere Befragungen zeigen es: Liebe ist heute der wichtigste Faktor für den Zusammenhalt von Paaren. International bekannte Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten behandeln daher in diesem Buch Themen wie Liebessehnsucht und Umgang mit Liebesleid, Veränderungen in der Gestaltung von Liebesbeziehungen in den letzten Jahrzehnten, Unterschiede zwischen den Leitbildern von Partnerbeziehungen und Liebesbeziehungen oder Selbstakzeptanz als Voraussetzung von Partnerliebe. Aufgezeigt wird zudem, wie in der Sexualtherapie das Thema 'Liebe' von der bloßen Wiederherstellung sexueller Funktionsfähigkeit wegführt und wie die Entwicklung von Leidenschaft und Erotik in Paarbeziehungen in den Vordergrund gerückt wird. Kontrovers behandelt wird die Frage, ob Liebe direkt zum Thema einer Paartherapie gemacht werden kann und soll. Das Buch will Psychotherapeuten und auch Interessierten ermöglichen, ihr Verständnis von Liebe allgemein und im Hinblick auf die therapeutische Praxis zu vertiefen.

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Autorenportrait

Jürg Willi, Prof. Dr. med. Dr. h. c., war ein Psychoanalytiker und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Bis 1999 war er Direktor der psychiatrischen Poliklinik am Universitätsspital Zürich und Ordinarius für Ambulante Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Krankheiten an der Universität Zürich. Von 1999 bis 2009 leitete er das Institut für ökologisch-systemische Therapie in Zürich. Er verstarb im April 2019 im Alter von 85 Jahren. Bernhard Limacher, lic. phil., Fachpsychologe für Psychotherapie FSP, arbeitet in eigener Praxis und ist Dozent des Instituts für Ökologisch-systemische Therapie in Zürich.

Leseprobe

Jürg Willi: Einleitung In diesem Buch sind die überarbeiteten Vorträge des Psychotherapiekongresses Paartherapie - im Fokus die Liebe zusammengestellt, den das Institut für Ökologischsystemische Therapie vom 23.-25. September 2004 an der Universität Zürich durchgeführt hat. Es war für alle Mitwirkenden eine außergewöhnlich anregende Veranstaltung, weshalb wir uns entschlossen, die Hauptbeiträge in diesem Buch einem breiteren Leserkreis zugänglich zu machen. Schon im zeitlichen Vorfeld des Kongresses kam es zu lebhaften Auseinandersetzungen, über die ich in dieser Einleitung kurz berichten möchte. Zum Thema Paartherapie - im Fokus die Liebe waren wir durch den fast gleich lautenden Titel von Astrid Riehl-Emdes Buch Liebe im Fokus der Paartherapie (Klett-Cotta, 2003) angeregt worden, das während der Planungsphase des Kongresses erschien. Astrid Riehl-Emde hatte in der Zeit, als sie noch Dozentin unseres Ausbildungsteams in Zürich war, eine Studie zum Thema Was hält Paare zusammen? ausgearbeitet, ursprünglich in der Absicht, die Thesen meines gleich lautenden, 1991 erschienenen Buches zu überprüfen. Sie untersuchte eine repräsentative Stichprobe von Paaren mit einem von ihr ausgearbeiteten Fragebogen mit 18 Items. Viele Befragte wiesen darauf hin, dass nach dem Wichtigsten, was Paare zusammenhält, nicht gefragt worden sei, nämlich nach der 'Liebe'. Es zeigte sich in der Folge, dass 'Liebe' neben 'Identifikation mit der Partnerbeziehung ' von den Befragten als wichtigster Faktor für den Zusammenhalt ihrer Beziehung bezeichnet wurde. Dieses Ergebnis mag für Laien selbstverständlich und banal erscheinen. Umso erstaunlicher ist es, dass 'Liebe' bis vor wenigen Jahren kein Stichwort der Paartherapie war und in der Fachliteratur bisher kaum behandelt wurde. Aus der Überzeugung heraus, dass offensichtlich ein zentraler Gesichtspunkt in der Paartherapie vernachlässigt wird, entschlossen wir uns, erstmalig die Liebe ins Zentrum eines wissenschaftlichen Kongresses über Paartherapie zu stellen. Doch das erwies sich als schwieriger als erwartet. Zunächst hatten wir die Absicht, mit einem breiten Spektrum internationaler Referenten das Thema Liebe und Paartherapie abzudecken. Angefragt wurden Referenten zu Fragen der Biochemie, Soziologie, Ethnologie und Ethologie von Partnerwahl und Liebesbeziehungen sowie zu 'Stalking', einem bei uns noch wenig bekannten psychopathologischen Begriff. Wir hatten dann aber den Eindruck, dass Beiträge aus diesen Disziplinen vom eigentlichen Kongressthema zu weit entfernt lägen. Als 'Headhunter' begab ich mich daraufhin im Oktober 2003 nach Long Beach, Kalifornien, zur AAMFT-Conference, dem Jahrestreffen der American Association for Marital and Family Therapy, der weltweit größten Gesellschaft für Paar- und Familientherapie. Aber mit Ausnahme von David Schnarch gelang es mir nicht, Referentinnen oder Referenten ausfindig zu machen, die etwas Interessantes zu unserem Kongressthema hätten beitragen können. Doch dann stellten wir auf einmal fest, dass die interessantesten Wissenschaftler nicht in Übersee zu suchen waren, sondern im deutschen Sprachraum selbst. Fast wie Pilze aus dem Boden schießen, so erschien in den letzten Jahren hintereinander eine Vielzahl von Fachbüchern über Liebe und Paartherapie/Sexualtherapie, und zwar Bücher, die sich voneinander deutlich unterschieden und eine Vielfalt neuer Gesichtspunkte in origineller Weise bearbeiteten. 2002 publizierte ich das Buch Psychologie der Liebe, in welchem ich mich vor allem mit der persönlichen Entwicklung durch die Herausforderung der Liebe befasste und dabei die partnerschaftliche Kritik als wichtigen Trigger dieser Entwicklungen beschrieb. Ebenfalls 2002 publizierte Arnold Retzer in der Zeitschrift Familiendynamik eine zweiteilige Arbeit über 'Das Paar. Eine systemische Beschreibung intimer Komplexität', ein Thema, das er in seinem 2004 erschienenen Buch Systemische Paartherapie (Klett-Cotta) noch weiter ausgeführt hat. Völlig anders als unsere eher koevolutive Sicht von Liebesbeziehungen, geht er vom Paar als Kommunikationssystem aus und beschreibt die Kommunikationscodes der Liebe. Der Kommunikationscode der Liebe stellen die kulturellen Vorschriften darüber bereit, was man sich unter 'Liebe' vorzustellen hat, wie man Gefühle ausdrücken, anderen unterstellen und auch leugnen kann. Die Beziehungsgeschichte wird von den Paaren in Form von Liebesmythen erzählt, um der gegenwärtigen Beziehung Sinn und Bestand zu verleihen. Liebesmythen haben eine exklusive Funktion, indem sie die Familie und die Moral ausgrenzen und die entzauberte Welt wieder verzaubern. Retzer führt eine interessante Unterscheidung zwischen Liebesbeziehung und Partnerschaft an, welche für ihn unterschiedlichen Logiken folgen: Zur Logik der Partnerschaft gehört ein Austauschverhältnis von Leistung und geforderter Gegenleistung, die aufgerechnet und gerecht verteilt werden sollen. Zur Logik der Liebesbeziehung gehört dagegen die freiwillige, bedingungslose Gabe ohne Einforderung einer gerechten Gegenleistung. Astrid RiehlEmde führt diese Klärung der Unterschiede zwischen Partnerschaft und Liebesbeziehung in ihrem 2003 erschienenen Buch Liebe im Fokus der Paartherapie weiter. Für viele Paare reicht die Funktionalität der Partnerbeziehung nicht aus. Wenn die Paarbeziehung auf Liebe verzichtet, verliert sie ihre Bindungskraft. Astrid RiehlEmde zufolge bleibt der Ursprung der Liebe im Dunkeln. Konzepte des Unbewussten haben oft eine höhere Erklärungskraft als systemische Ansätze. Therapeutisch legt sie einen Schwerpunkt auf den Umgang mit zwiespältigen Gefühlen in der Liebe und auf deren Akzeptation. 2004 erschien Guy Bodenmanns Buch Verhaltenstherapie mit Paaren. Ein modernes Handbuch für die psychologische Beratung und Behandlung, in welchem er sich eingehend aus verhaltenstherapeutischer Sicht mit dem Begriff 'Liebe' auseinander setzt und sich - im Kapitel über die Revitalisierung der Partnerschaft - mit der Wiederbelebung von Liebe in der Therapie befasst. Schließlich erschien kurz vor dem Kongress das Buch Das neue Der Die Das. Über die Modernisierung des Sexuellen (2004) von Gunter Schmidt, in welchem er verblüffende und spannende Aspekte des kulturellen Wandels, auch in Bezug auf das moderne Sexualleben beschreibt. Nachdem es um die Sexualtherapie in den letzten Jahrzehnten ruhig geworden war, befindet sie sich gegenwärtig in einer Aufbruchstimmung. Das ist u.a. auf David Schnarch zurückzuführen, der die auf Übungen beruhenden Techniken der Sexualtherapie von W. H. Masters und V. E. Johnson (Impotenz und Anorgasmie, 1973) radikal in Frage stellte und zur Belebung sexueller Beziehungen eine bessere Qualität der Intimität und Differenzierung von Liebesbeziehungen postuliert. Dabei haben die Partner zu lernen, sich selbst und den Partner so zu akzeptieren, wie sie sind, ein oft schmerzlicher und auch risikoreicher Weg. Auf unsere Empfehlung hin entschloss sich der Verlag Klett-Cotta, das umfangreiche Buch Passionate Marriage von David Schnarch (1998) ins Deutsche zu übersetzen (bei Klett-Cotta für 2006 in Vb.). Unmittelbar vor dem Kongress wurde Ulrich Clements Buch Systemische Paartherapie (Klett-Cotta, 2004) veröffentlicht, in welchem er sich u.a. aus systemischer Sicht mit dem sexuellen Begehren in langjährigen Paarbeziehungen beschäftigt. Er kommt dabei zu überraschenden und einleuchtenden Äußerungen zu verbreiteten Fehlmeinungen über sexuelle Beziehungen und therapeutischen Fehlern, die, damit zusammenhängend, oft begangen werden. Nachdem sich diese Autoren bereit erklärt hatten, bei unserem Kongress einen Hauptvortrag und/oder die Leitung eines Workshops zu übernehmen, gerieten wir in eine Krise. Die von uns eingeladene daseinsanalytische Psychotherapeutin und Philosophin Alice Holzhey-Kunz erteilte uns eine Absage, in der sie unser Kongresskonzept grundsätzlich in Frage stellte. Ich zitiere eine Passage aus ihrem Brief: 'Der letzte Satz Eurer Vorankündigung: ›Strategien und Techniken ...

Inhalt

Jürg Willi: Einleitung A Theoretische Konzepte Jürg Willi: Die Sehnsucht nach der absoluten Liebe Gunter Schmidt: Partnerschaft in drei Generationen. Zum gesellschaftlichen Hintergrund paartherapeutischer Arbeit Arnold Retzer: Liebesmythen und ihre Funktion Astrid Riehl-Emde: Liebe im Fokus der Paartherapie B Therapeutische Praxis Alice Holzhey-Kunz: Kann und soll die Liebe in den Fokus zweckrational konzipierter Paartherapie rücken? Gisela Ana Cöppicus Lichtsteiner: Das Aufkeimen der Liebe nach frühen Verletzungen des Selbst Monika Schäppi: Paartherapeutin - Advokatin der Liebe Guy Bodenmann: Liebe in der Verhaltenstherapie mit Paaren Ulrich Clement: Erotische Entwicklung in langjährigen Partnerschaften David Schnarch: Die leidenschaftliche Ehe. Die Rolle der Liebe in der Paartherapie Bernhard Limacher: Mit Vorwürfen die Liebe retten? - Paartherapeutische Möglichkeiten Schlussfolgerungen Bernhard Limacher und Jürg Willi: Liebe als Thema der Paartherapie Herausgeber sowie Autorinnen und Autoren

Schlagzeile

Läßt sich die Liebe therapieren?

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